Schüler:innen planen neue Bahnverbindung

Einfach irgendwo die Gleise verlegen – das geht in Deutschland nicht. Das haben die Schüler:innen der Cesar Klein Schule am 15. September anlässlich des Tags der Schiene lebhaft erfahren. Das Projekt Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung hat die Schule in Ratekau besucht und einen Einblick gegeben, wie kontrovers und komplex die Planung eines Neubauprojektes der Bahn diskutiert wird. Denn viele verschiedene Interessengruppen wie Bürgermeister:innen, Bürger:innen, Naturschutzverbände, Fahrgastverbände und natürlich die Bahn selbst reden mit. Und das ist auch gut so, denn eine neue Verbindung soll verträglich sein. Da geht es um den Schutz der Menschen, des Klimas und der Umwelt, aber auch um Kosten und Technik.

In der Realität dauert es oft Jahre, bis eine Bahnstrecke gefunden ist. In Ratekau hatten die Schüler:innen im Rahmen des Planspiels „Plan die Bahn“ einen Vormittag Zeit, sich mit der fiktiven Bahnverbindung Mariasfelden–Güntherweiden auseinanderzusetzen und die beste Lösung für eine Verbindung der Ortschaften mit Bahngleisen zu finden. Es standen drei Streckenvarianten zur Wahl, die verschiedene Vor- und Nachteile mit sich bringen. Diese galt es in einer Sitzung eines Dialogforums zu diskutieren. Dafür haben Schüler:innen die Rollen von verschiedenen Interessensgruppen eingenommen, die gegensätzlicher kaum sein können: so fordert die Bürgerinitiative die Umfahrung der Ortschaft, der Bauernverband wünscht den Erhalt der Ackerböden und der Naturschutzbund den Erhalt von Wäldern und Lebensräumen der Tiere. Gleichzeitig müssen Kosten für die Strecke wirtschaftlich und der Bau der Verbindung technisch machbar sein. Ein Spannungsfeld, das im dicht besiedelten Deutschland bei der Planung vieler großer Bauvorhaben kaum aufzulösen ist.

Die Schüler:innen in Ratekau haben eine Lösung gefunden  -  der Weg dahin war aber umkämpft. Mit dem Startschuss des Dialogforums stellte die Bahn – ebenfalls vertreten durch zwei Schüler – die Planung mit den verschiedenen Varianten vor. Anschließend wurde 45 Minuten intensiv diskutiert, welche Bedürfnisse bei der Planung unbedingt berücksichtigt werden sollen. Eine deutliche Forderung ging beispielsweise von der Bürgerinitiative der Anwohnenden von Günthersweiden an ihre Bürgermeisterin. Die Interessen der Bürger:innen müssen über die Gemeinde bei der Bahn Gehör finden und vertreten werden. Dabei steht der Schutz der Anwohnenden klar im Mittelpunkt. Die Bürgermeisterin, die darüber hinaus auch wirtschaftliche Interessen wie die Anbindung einer Fabrik im Blick hat, kann die Gruppe beschwichtigen. Fridays for Future stellt dagegen klar, dass beim Thema Umweltschutz keine Kompromisse akzeptiert werden. Der Bau der Bahnverbindung ist als Investition in die nachhaltige Mobilität erforderlich. So wurde lebhaft diskutiert und eine Einigung zeichnete sich ab, bis ein Gutachten der Archäologen die Gruppe überrascht: aufgrund eines seltenen Fossils, das bei Grabungsarbeiten gefunden wurde, steht die favorisierte Varianten für die Umsetzung der Bahnverbindung nicht mehr zur Wahl. Dieses Ereignis hatte zur Folge, dass eine andere in Teilen akzeptable Variante in den Fokus genommen wird. Im Ergebnis kann durch kleinere Anpassungen und Änderungen in der Planung ein Kompromiss gefunden werden, der das Ende des Planspiels besiegelte.

Die Fragen und Diskussionen der Schüler:innen haben verdeutlicht, dass man bei all den realen Debatten die Meinung von Kindern und Jugendlichen nicht aus den Augen verlieren darf. Ingrid Felipe, Vorständin Infrastrukturplanung und -projekte der DB Netz AG hebt hervor: „Junge Menschen sind die wichtigsten Botschafter:innen für eine nachhaltige Mobilität der Zukunft. Denn ihnen gehört die Zukunft und für sie bauen, erweitern und erneuern wir unser Schienennetz.“

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