Schallschutz

Halbierung des Schienenverkehrslärms bis 2020! Das Ziel der Deutschen Bahn soll die Anwohner an Bahnstrecken durch Lärmminderung an der Schiene und den Güterwagen spürbar entlasten. Beim Aus- und Neubau der Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung sollen Betroffene möglichst durch aktive Schutzmaßnahmen entlastet werden.

 

Werden Strecken neu gebaut oder wesentlich baulich verändert, schreibt das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) von 1974 vor, dass Anwohner und Umwelt nicht durch den Lärm geschädigt werden dürfen. Bei der Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung greift die sogenannte Lärmvorsorge.

Untersuchungen zu schalltechnischen Auswirkungen nach BImSchG sowie zugehöriger Bundes-Immissionsschutzverordnung sind Bestandteil des Bauvorhabens. Die Berechnung von Schallausbreitungen gemäß Richtlinie Schall03 sowie Ableitung von Schutzmaßnahmen werden von Experten vorgenommen. Mit Neufassung der Schall03 werden komplexe EDV-Programme angewandt, wodurch Einflüsse wie Reflexionen an Gebäuden und Wasserflächen, Fahrflächenzustand, unterschiedliche Fahrzeugarten und innovative Maßnahmen berücksichtigt werden.

Immissionsgrenzwerte; Klick für vergrößerte Ansicht

Bei der Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung können laut Lärmschutzkonzepten aus 2017 nach den gesetzlichen Rahmen über 91 Prozent der Schutzfälle mit aktiven Schallschutzmaßnahmen wie Schallschutzwänden gelöst werden. Alle weiteren Schutzfälle können durch passive Lärmschutzmaßnahmen geschützt werden. Für die Umsetzung der möglichen Lärmschutzmaßnahmen werden rund 87 Millionen Euro investiert.

Alle Informationen zum Thema "Schallschutz" und "Lärmminderung" finden Sie auf der Themenseite der DB AG.

Aktive und passive Schallschutzmaßnahmen

Es gibt eine Vielzahl lärmmindernder Technologien an der Infrastruktur. Bei den Lärmschutzmaßnahmen unterscheidet man in aktiven und passiven Maßnahmen. Aktiv nennt man solche, die den Lärm direkt da mindern, wo er entsteht oder solche, die auf dem Ausbreitungsweg des Schalls wirken.



Zu den aktiven Schallschutzmaßnahmen zählen Lärmschutzwände/-wälle sowie innovative Maßnahmen wie Schleifverfahren, niedrige Schallschutzwände und Schienenstegdämpfer/-absorber. Davon werden am häufigsten Lärmschutzwände aus Aluminium eingesetzt. Diese haben eine hohe Schutzwirkung, sind leicht einsetzbar und gut zu recyclen.

Manchmal lassen städtebauliche oder topographische Situationen den Bau von Lärmschutzwänden nicht zu oder die Wände sind zur Einhaltung der Immissionsgrenzwerte nicht ausreichend. In diesem Fall kommen passive Schutzmaßnahmen wie Schallschutzfenster, teilweise auch Dämmung von Außenwänden und Dächern zur Anwendung, um die zugelassenen Grenzwerte in Schlaf- und Wohnräumen zu gewährleisten.

Leise Güterwagen

Die Reduzierung des Lärms unmittelbar an der Quelle wirkt auf dem gesamten Streckennetz. Der Einsatz leiser Bremstechnologien im Schienengüterverkehr ist deshalb die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung des Lärms von der Schiene.

Die größte Lärmquelle ist das Rollgeräusch von Güterzügen, das vor allem durch Bremsklötze aus Grauguss verursacht wird. Beim Bremsvorgang rauen diese die Räder auf – und raue Räder verursachen laute Rollgeräusche während der Fahrt. Fahren die Züge dagegen mit Bremsen aus Verbundstoff, wird das Rollgeräusch von Güterzügen in der Vorbeifahrt um bis zu 10 dB (A) reduziert, das entspricht einer gefühlten Halbierung des Lärms.

Moderne Verbundstoffbremse (Foto: DB AG/Oliver Lang)


Ende 2017 sind 64 Prozent der relevanten Güterwagenflotte von DB Cargo leise (rd. 40.000 Wagen von 64.000). Noch in diesem Jahr wird die Zahl der leisen Wagen in der Flotte von DB Cargo Deutschland auf über 50.000 anwachsen. Bis Ende 2020 wird der aktive Wagenpark komplett geräuschärmer unterwegs sein. Die DB geht davon aus, dass die übrigen Wagenhalter diesem Beispiel folgen werden.

2017 hat der deutsche Gesetzgeber das Schienenlärmschutzgesetz beschlossen. Das Gesetz verbietet ab 13.12.2020, zum Fahrplanwechsel 2020/2021 den Einsatz lauter Güterwagen auf dem deutschen Streckennetz. Somit soll gewährleistet werden, dass alle in Deutschland zum Einsatz kommenden Güterwagen ab diesem Zeitpunkt auf leisen Sohlen unterwegs sind.

Forschungsprogramme

Um das Portfolio für lärmmindernde Maßnahmen an der Infrastruktur sowie an den Güterwagen zu erweitern, gibt es verschiedene nationale und internationale Forschungsprogramme.

Niedrige Schallschutzwände (Foto DB Netz AG)

Gemeinsam mit dem BMVI hat die DB die „Initiative Lärmschutz-Erprobung neu und anwendungsorientiert“ (I-LENA) ins Leben gerufen. Damit ist es Herstellern von Lärmschutztechnologien erstmals möglich, ihre neusten Entwicklungen im realen Betrieb bis zum Jahr 2020 auf Strecken der DB zu testen. Die DB stellt drei Streckenabschnitte zwischen München und Regensburg, Berlin und Frankfurt (Oder) sowie Freinsheim und Grünstadt für die Erprobung zur Verfügung. Das BMVI übernimmt die Kosten für den Ein- und Ausbau, sowie für die akustischen Messungen. Insgesamt sollen knapp 30 Einzelmaßnahmen erprobt werden, die ersten Projekte werden in diesem Jahr umgesetzt.

Dank umfangreicher Fördermittel konnten in den vergangenen Jahren viele neue Technologien erprobt und eingesetzt werden. Auch das aktuelle Programm – das Zukunftsinvestitionsprogramm – setzt dies fort und treibt so den Lärmschutz weiter voran.

Schienenstegdämpfer (Foto: DB AG/Volker Emersleben)


Um Innovationen in Punkto Lärmschutz zu fördern, hat der Bund in den vergangenen Jahren eine Reihe von Programmen initiiert, in deren Rahmen die Deutsche Bahn neue Technologien testen und teilweise in den Betrieb aufnehmen konnte. Aufgrund beschränkter Wirksamkeit und erhöhten Instandhaltungskosten muss die Anwendung innovativer Maßnahmen im Einzelfall betrachtet werden und ist je nach Ortslage abzuwägen. Hierbei ist festzuhalten, dass die innovativen Technologien herkömmliche Lärmschutzmaßnahmen nicht ersetzen, sondern in bestimmten Fällen eine Ergänzung darstellen können.

Forschungsprojekte an Güterwagen

DB Cargo und Europas größter Wagenhalter VTG erproben im BMVI Forschungsprojekt „innovativer Güterwagen“ gemeinsam Technologien zur Reduzierung des Lärms sowie zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Schienengüterverkehrs. Das Projekt hat ein Volumen von 17 Millionen Euro und läuft bis Ende dieses Jahres. Es werden verschiedene innovative Komponenten kombiniert und eingebaut – beispielsweise wird die Wirkung von Lärmschürzen in Kombination mit innovativen Bremssystemen und Raddämpfer an ausgewählten Güterwagen-Gattungen getestet.

Aktuell beteiligt sich die Deutsche Bahn an „Shift2Rail“, dem gebündelten EU-Forschungsprogramm für den Schienensektor. Die DB ist Mitglied im zentralen Steuergremium. Mit einem Gesamtbudget von knapp eine Milliarde Euro für das EU-Projekt sollen bis zum Jahr 2020 verschiedene Innovationen am Rollmaterial, aber auch an der Infrastruktur erarbeitet werden. Zahlreiche Projektanträge zum Thema Lärm wurden eingereicht, beispielsweise ein energie- und lärmoptimierter Wagenkasten oder ein LCC-günstiges und lärmarmes Güterwagen-Drehgestell.

Lärmschutzsimulation in Bad Schwartau

Lärmschutzsimulation Bad Schwartau

Im Zuge der Projektkommunikation für die Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung wurde Ende September 2017 in der ostholsteinischen Stadt Bad Schwartau vom Fraunhofer Heinrich Hertz-Institut (HHI) eine ortsspezifische Lärmschutzsimulation durchgeführt. Hierbei kamen spezielle Mikrofon- und Kamerasysteme zum Einsatz, die sowohl die Aufzeichnung eines dreidimensionalen Schallfeldes, als auch eines nahtlosen, hochauflösenden Panoramavideos ermöglichen. Auf Basis der Aufzeichnung des dort verkehrenden Regionalverkehrs wurden die geplanten Lärmschutzmaßnahmen auf dem Streckenabschnitt, sowie die Lärmemissionen des zukünftigen Güterverkehrs audiovisuell simuliert. Eine mobile Tabletversion dieser Simulation ermöglicht nun eine verbesserte Anwohnerkommunikation.

Die ortsspezifische Lärmschutzsimulation ist seit ihrer Einführung ein fester Bestandteil im Kontakt und Austausch mit allen Projektbeteiligten um einen realitätsnahen Eindruck des zukünftigen Streckenabschnitts und seiner Lärmimmissionen zu ermöglichen. Die Kooperation mit dem HHI wird in der Öffentlichkeit durchaus als wichtiges Kriterium für die Glaubhaftigkeit gesehen, dass die Simulation unabhängig erstellt wurde und den Schienenverkehrslärm sowie die Wirkungen der Lärmschutzmaßnahmen realitätsnah wiedergibt.

Da Visualisierungen durch innovative Entwicklungen heute allgegenwärtig sind, werden diese Maßnahmen auch im weiteren Planungsprozess im Projekt Schienenanbindung FBQ aber auch anderen Schieneninfrastrukturprojekten häufiger zum Einsatz kommen. Die Erfahrungen aus dem Norden zeigen, dass so der Bürgerdialog gestärkt wird und technische Planungsunterlagen zum Thema Lärmschutz verständlicher und transparent kommuniziert werden können.

IST-Zustand beim Regionalverkehr

Plan-Zustand mit 6 Meter hoher Schallschutzwand für Regionalverkehr

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