Archäologie im Projekt

Durch den Bau der Hinterlandanbindung haben die Experten des archäologischen Landesamts Schleswig-Holstein Gelegenheit, die künftige Strecke systematisch auf Spuren der Vergangenheit hin zu untersuchen.

Ein besonderes Augenmerk bei den Planungen zur Hinterlandanbindung gilt der Archäologie: Bevor die Baumaßnahmen beginnen, wird nach möglichen Fundstellen gesucht, die nach Fertigstellung der Strecke zerstört oder nicht mehr zugänglich wären. Mit der fachgerechten Durchführung der Untersuchungen ist das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein betraut. Seine Aufgabe besteht unter anderem in der Dokumentation und Archivierung von Bodendenkmalen, die durch Bodeneingriffe betroffen sind.

Da die Bahn die Baumaßnahme durchführt, ist sie verpflichtet, für die Kosten der Grabungen aufzukommen. Insgesamt wendet sie im Rahmen dieses Projekts rund sechs Millionen Euro auf.

Eine besondere Gelegenheit

Außergewöhnlich ist der Auftrag hier wegen der enormen Ausdehnung der zu untersuchenden Fläche: Auf 88 Kilometern Länge, entlang der gesamten späteren Bahntrasse, kann quer durch Ostholstein die Siedlungsgeschichte der Region nachvollzogen werden, von der Stein- bis in die Neuzeit.

Bereits im Sommer 2016 begannen Grabungstrupps mit den Voruntersuchungen: Seit über 80 Jahren werden in Schleswig-Holstein archäologische Fundplätze in der Archäologischen Landesaufnahme registriert und beschrieben. Die dort vermerkten Orte waren Anhaltspunkte für die Voruntersuchungen.

An 110 Stellen wurden etwa zwei Meter breite, flache Baggerschürfe ausgehoben und die Schichten unter dem Oberboden auf Siedlungsspuren hin untersucht. Dabei fanden die Archäologen zahlreiche Gefäßscherben und Steinartefakte, gelegentlich auch organisches Material. Viele Fundplätze lassen Rückschlüsse auf Standortfaktoren zu, mit denen man Antworten auf die Frage erhält, warum bestimmte Orte zu bestimmten Zeiten als Siedlungsplätze aufgesucht wurden. Welche Wirtschaftsweisen und Überlebensstrategien stecken dahinter?

Erich Halbwidl, Projektleiter für die archäologischen Ausgrabungen im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein (Foto: Markus Billhardt, Lübecker Nachrichten)

„Besonders spannend aus archäologischer Sicht sind die Grabungen im Oldenburger Bruch. Dort sind wir in gut einem Meter Tiefe auf mehrere Holzkonstruktionen gestoßen: Bearbeitete, waagerecht liegende Hölzer, die von senkrecht und schräg steckenden Hölzern festgekeilt waren. Vermutlich Reste eines einfachen Knüppeldammes zur Überquerung der damaligen Moorenge. Außerdem findet sich an gleicher Stelle eine weitere Holzkonstruktion die auf die Reste einer Fischfang-Anlage hindeuten, denn vor 4000 bis 6000 Jahren war an dieser Stelle das Ufer eines Sees. [...] Das erste Gebot für uns ist die Erhaltung der Information aus derartigen Bodenarchiven für die Nachwelt. So können zudem Räume für den Trassenbau freigemacht werden, ohne dass diese landesgeschichtlich relevante Information unwiederbringlich zerstört wird.“

Hauptuntersuchungen gestartet

Bei den Voruntersuchungen wurden etwa 30 Stellen identifiziert, die nun im Zuge der Hauptuntersuchungen seit Mitte August 2017 großflächig und intensiv, bis in tiefere Erdschichten hinein erforscht werden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie auf weitere Siedlungsspuren stoßen, bspw. auf Pfostensetzungen von Häusern, Abfallgruben oder Feuerstellen. Besonders dort, wo organisches Material wie Holz, Knochen oder Geweih sich bis heute gut erhalten konnte, rechnen sie mit eindrucksvollen Einzelobjekten. Alle Funde und Befunde werden dokumentiert, ggf. ausgegraben und für die Nachwelt archiviert.

Nach heutigem Stand werden die archäologischen Untersuchungen bis 2019 andauern. Anschließend können die Baumaßnahmen für die Hinterlandanbindung beginnen.

Bernd Homfeldt - Projektleiter
Bernd Homfeldt, Projektleiter für die Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung

„Die Zeugnisse der frühen Geschichte werden sorgfältig dokumentiert und für die Nachwelt bewahrt. Wir führen die Untersuchungen schon jetzt durch, damit wir später zügig bauen können. Wir haben auf diese Weise mehr Planungssicherheit, die Archäologen genügend Zeit für eine sorgfältige Erkundung der ostholsteinischen Siedlungsgeschichte.“

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