Expedition Schweinswal: Zensus im Fehmarnsund

Volkszählungen sind eine Mammutaufgabe – allerdings lassen sich nur so belegbare Daten über die Einwohner sammeln. Mit den Umweltuntersuchungen im Sund führt die Bahn nun gewissermaßen eigene demographische Studien durch – für Flora und Fauna.

Man sieht ihn selten. Dennoch ist er da – vermutlich. Der Schweinswal ist für die Umweltexperten der Bahn ein spannendes, aber auch kniffliges Untersuchungsobjekt. Deshalb müssen die Biologen an dieser Stelle schwereres Gerät auffahren. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Etwa 500 Kilogramm wiegt jedes der zehn Fundamente, die im Sund verankert werden. Daran befinden sich sogenannte Klickdetektoren, die den akustischen Lauten der Schweinswale nachspüren. Mit Hilfe der Aufnahmen können Rückschlüsse auf das Vorhandensein der Säuger, Populationsgröße und Bewegungsmuster gezogen werden. Ein aufwändiges Verfahren, denn die Detektoren müssen unter Wasser ausgelesen und gewartet werden. Umweltexperten sind daher regelmäßig mit dem Forschungsschiff Praunus im Fehmarnsund unterwegs. Mit Hilfe von moderner Technik und Taucheinsätzen sammeln sie die notwendigen Daten ein, die später die Grundlage für eine detaillierte Auswertung, Analyse und Empfehlung bieten. Denn die Ergebnisse werden später in die Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) einfließen.

Diese UVS ist auch der eigentliche Anstoß für die Untersuchungen. Denn sie ist Bestandteil des Genehmigungsverfahrens für eine neue Querung des Fehmarnsunds. Da der künftige prognostizierte Verkehr auf der Vogelfluglinie nicht allein von der bestehenden Brücke aufgenommen werden kann, ist eine alternative Lösung unumgänglich. Damit die Umwelt von allen Seiten betrachtet wird, beteiligte das Eisenbahn-Bundesamt im Scoping-Verfahren Träger öffentlicher Belange, Umweltverbände und Bürgerinitiativen. Mit dem „Festlegungsprotokoll zum Scoping“ ist der Rahmen für die Umweltuntersuchungen festgesetzt.

Dabei geht es nicht nur um den Schweinswal. Um etwa einen Überblick über die im Sund lebenden Fische und Rundmäuler zu erhalten, begleiten Experten Fischer vor Ort auf ihren Fahrten. Die Auswertung des Fangs zeigt, ob geschützte Arten in den Gewässern zu finden sind.

Videobeitrag des NDR:

Bei der Ausfahrt am 22. Juni wurde das Forschungsteam von einem NDR-Team begleitet. Zum Film geht es hier.

Der Seegrund, der Wasserstand und die Wasserströmung sind Teil der Untersuchungen. Entlang diverser Mess- beziehungsweise Beobachtungspunkte werden per Unterwasserkamera Videoaufnahmen gemacht und ausgewertet. Diese sogenannte Videotransektkartierung liefert zudem Erkenntnisse über Vorkommen von Miesmuscheln, Algen oder Seegras. Zwar werden nur Ausschnitte des Sunds auf diese Weise kartiert – die Ergebnisse sind jedoch repräsentativ und können auf den gesamten zu untersuchenden Meeresbereich übertragen werden.

Etwa zwei Jahre benötigen die Umweltexperten für ihre Arbeit. Dabei werden sie auch eng mit den Fachleuten vor Ort zusammen arbeiten. Am Ende der Untersuchungen steht dann eine detaillierte Aufschlüsselung der Lebewesen und Lebensweisen im Sund – eben wie bei einer richtigen Volkszählung.

Weiterführende Informationen zum Thema:

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