Mit Bagger und Handfeger im Oldenburger Bruch

Archäologen im Auftrag der Deutschen Bahn unterwegs

(Hamburg) Bis zu drei Grabungstrupps sind seit Juli 2016 in Ostholstein unterwegs. Die rund zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archäologischen Landesamts Schleswig-Holstein suchen im Auftrag der Deutschen Bahn nach Siedlungszeugnissen aus Holz, Keramik, Stein und Knochen aus der Vorzeit. Dafür werden 110 archäologische Stellen entlang der geplanten rund 80 Kilometer langen Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung untersucht.

Ziel dieser archäologischen Voruntersuchungen zwischen Bad Schwartau und dem künftigen Fehmarnbelt-Tunnel ist es, frühzeitig festzustellen, welche denkmalschutzrechtlichen Maßnahmen bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen und gegebenenfalls vor Baubeginn durchzuführen sind.

„Wenn wir frühzeitig wissen, was im Boden für Schätze schlummern, dann können wir gemeinsam mit den Archäologie-Experten notwendige Grabungsarbeiten in den Gesamtterminplan eintakten“, sagt Projektleiter Bernd Homfeldt, DB Netz AG. „So haben wir mehr Planungssicherheit im Projekt und die Archäologen die Chance, historische Siedlungsgeschichte zu erforschen.“

Jetzt steht für die Archäologen der besonders spannende Bereich „Oldenburger Bruch“ auf dem Programm. Die archäologischen Untersuchungen müssen hier auch im Einklang mit besonderen Naturschutzauflagen stattfinden. Zudem ist das Gebiet aufgrund organischer Funde für die Experten von besonderem Interesse.

Der Oldenburger Bruch
...ist eine rund 22 Kilometer lange und zwei bis drei Kilometer breite Schmelzwasserrinne, die im Zuge des ersten Eisvorstoßes des Weichselglazials entstanden ist. Vor 8.500 Jahren wurde diese Rinne überflutet. Dabei entstanden zwei separate Fjorde, die bei Oldenburg durch eine Landbarriere voneinander getrennt wurden. An den Uferrändern und auf den entstandenen inselartigen Erhöhungen ließen sich Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit nieder. Ein reichhaltiges Nahrungsangebot im Wasser und zu Lande machte das Leben so angenehm, dass sich die Menschen dauerhaft niederließen. Die dortigen archäologischen Fundplätze sind die ältesten Nachweise für die Sesshaftwerdung der Menschen zu Beginn der Jungsteinzeit in Schleswig-Holstein.

„Wir erhoffen uns Funde wie Stein-, Holz- und Geweihgeräte, Fischzäune und Speisereste“, sagt Archäologin Annette Guldin vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein. „Durch die künstliche Entwässerung des Gebiets wird seit den 1920er Jahren historische Siedlungsgeschichte erforscht. Auch jetzt, im Zuge der aktuellen Untersuchungen, erwarten wir uns spannende Einblicke in das Leben unserer Vorfahren in Ostholstein.“

Zwischenstand der Arbeiten
Seit Juli haben die Experten rund 80 der 110 Fundstellen untersucht. Dazu haben sie schmale, flache Baggerschürfen von zwei Meter Breite und unterschiedlicher Länge angelegt. Wenn die Grabungsteams archäologische Strukturen finden, werden diese vermessen, beschrieben und fotografiert. Bisher gelten 20 Stellen als hauptuntersuchungswürdig. Das bedeutet, dass vor Baubeginn großflächige Grabungen erforderlich sind. Bei den Fundstellen handelt es sich größtenteils um Siedlungen der Eisenzeit (ca. 550 v. bis 500 n.Chr.) Eventuell liegen auch ältere Siedlungen aus der Jungsteinzeit (ca. 4000 bis 1800 v. Chr.) und der Bronzezeit (1800 bis 550 v. Chr.) vor. Zu den häufigsten Funden gehörten Überreste von Pfosten, die Grundrisse ehemaliger Gebäude anzeigen, „Abfallgruben“ und Feuerstellen.

Wie geht es weiter
Wenn alle Voruntersuchungen durchgeführt wurden, analysieren die Archäologen die Funde und erstellen einen Bericht. Sie setzen zudem fest, welche Bereiche vor Baubeginn großflächiger untersucht werden müssen. Gemeinsam mit den Planern der Deutschen Bahn werden diese Hauptuntersuchungen in den Terminplan für die Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung eingetaktet.

„Wir führen die Voruntersuchungen schon jetzt durch, damit wir nachher keine Überraschungen beim Bau finden. So haben wir mehr Planungssicherheit und die Archäologen können ein weiteres Kapitel der Schleswig-Holsteinischen Siedlungsgeschichte erforschen“, sagt Projektleiter Bernd Homfeldt.

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