Schallschutz

50 Prozent weniger Lärm bis 2020 – das hat sich die Deutsche Bahn als Ziel gesetzt und erprobt hierfür Innovationen in der Lärm- und Schallreduzierung. Neue Technologien sollen auch beim Ausbau der Schienenverbindung zur Festen Fehmarnbeltquerung zum Einsatz kommen.

Bestandteil der Planungen für das Bauvorhaben sind auch Untersuchungen des Streckenausbaus in schalltechnischer Hinsicht. Diese werden von Experten mit so genannten Freifeld-Arrays durchgeführt. Der Lärm wird mit Hilfe einer rechnerischen Immissionsprognose gemäß der Richtlinie SCHALL 03 ermittelt. Ein komplexes EDV-Programm berücksichtigt dabei alle relevanten Einflüsse. Diese Methode ist sehr innovativ: Üblicherweise wird nur die freie Schallausbreitung ohne Gelände und Bebauung durchgeführt. Eine Lärmkarte zeigt schlussendlich, welche Regionen mit welcher Intensität vom Schienenlärm betroffen sind.

Immissionsgrenzwerte; Klick für vergrößerte Ansicht

Das schalltechnische Gutachten wird auf der Grundlage der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen erstellt. Hier gelten insbesondere das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) sowie die daraus abgeleitete Verkehrslärmschutzverordnung.

Alle Informationen zum Thema "Schallschutz" und "Lärmminderung" finden Sie auf der Themenseite der DB AG.

Video: Schallschutz bei der Deutschen Bahn

Aktive und passive Schallschutzmaßnahmen
Schallausbreitung mit und ohne Lärmschutzwand

Zu den aktiven Schallschutzmaßnahmen zählen unter anderem Lärmschutzwände und -wälle entlang der Strecke. Der Einbau schallmindernder Bauelemente in Wohngebäuden wie z.B. Schallschutzfenster oder speziell konstruierte Lüfter zählt zur Kategorie der passiven Schallschutzmaßnahmen. Diese kommen stets dann zum Tragen, wenn die gesetzlichen Immissionsgrenzwerte in Innenräumen – trotz Durchführung des aktiven Schallschutzes – überschritten werden.

Erprobung innovativer Maßnahmen

Innovative Lösungen rund um das Gleis

Die Bahn beabsichtigt, Lärm und Erschütterungen zukünftig dort zu verhindern, wo sie entstehen – zwischen Rad und Schiene. Am Gleis sind aktuell einige Verfahren in der Erprobung:

  • Niedrige Schallschutzwände werden aus verschiedenen Materialien hergestellt – zum Beispiel aus Gabionen, mit Steinen befüllten Drahtkörben. Diese werden mit einer Höhe von 35 bis 75 Zentimetern über der Schienenoberkante platziert und absorbieren mit einem speziellen Kern, beispielsweise aus recycelten Autoreifen, den Schall. Erzielte Lärmminderung: ca. 3 dB (A)
  • Schienenstützpunkte werden als Rippenplatten oder Elastomere direkt in den Brückenbereich integriert. Sie sollen die Übertragungen von Schwingungen auf den Brückenunterbau erheblich reduzieren.
  • Schienenstegdämpfer reduzieren das Rollgeräusch des Zuges, indem sie die Schwingungen der Schienen mindern. Erwartete Reduzierung des Rollgeräuschs: ca. 3 dB (A)
  • Bei besohlten Schwellen wird die Unterseite mit elastischen Materialien ausgestattet. Dadurch werden die Übertragungskräfte der dynamischen Schwingungen innerhalb des Gleisbetts reduziert. Sie gelangen nur noch gedämpft in den Untergrund, wodurch die Erschütterungen in den benachbarten Wohnungen spürbar gemindert werden.

Diese Technologien sind nur einige Beispiele innovativer Lösungen zur Lärmminderung, deren Erforschung und Erprobung vom Bund mit 100 Millionen Euro gefördert werden. Insgesamt werden zehn Innovationen im täglichen Betrieb auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Erzielen sie die gewünschten Lärmminderungseffekte, werden sie zur Regelanwendung freigegeben.

Verbundstoffbremsen

Erfolgreicher Umstieg auf Flüsterbremsen

Der Fokus in der Lärmreduktion liegt vor allem im Bereich der Güterzüge. Hier beteiligt sich die Deutsche Bahn mit 29 anderen europäischen Bahnen und Industriepartnern am Testprogramm „Europe-Train“. Dieser Zug testet auf Europas Bahnstrecken neue Techniken und besteht aus 30 Güterwagen unterschiedlicher Bauarten, die mit neuartigem Verbundstoff-Bremsklotzsohlen ausgestattet sind. Diese vermindern den Lärm um 10 dB(A) – eine vom menschlichen Ohr als Halbierung empfundene Reduktion des Lärms. Allein in Deutschland eigenen sich 180.000 Güterwagen für die Umrüstung auf die „Flüsterbremsen“-Ausstattung.

„Europe-Train" mit Flüsterbremse (LL-Sohle)
Kombinierte Maßnahmen

„Leiser Zug auf realem Gleis“

Ein weiteres Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Entschärfung einzelner Lärmquellen und deren Wechselwirkung: Das Forschungsprojekt „Leiser Zug auf realem Gleis“ setzt sich mit der geschickten Kombination von Maßnahmen an Fahrweg und Fahrzeug auseinander. Dabei nehmen die Forscher sowohl Gleis, Gleiskörper wie auch das Rad und den Oberbau unter die Lupe. Bei ihren Forschungen holt sich die Deutsche Bahn den Rat von Wissenschaftlern der Technischen Universitäten in Dresden und München sowie von zehn Industriepartnern.

Anreizprogramme

Zwei Förderprogramme für den Weg zum leisen Schienenverkehr

Mit der Einführung eines lärmabhängigen Trassenspreissystems durch die DB Netz AG im Juni 2013 und eines Förderprogramms des Bundesverkehrsministeriums im Dezember 2012 versucht man aktuell, einen finanziellen Anreiz zur Umrüstung und zum Einsatz leiser Güterwagen zu setzen. Laute Güterzüge, die nicht mit Flüsterbremsen ausgestattet sind, müssen demnach einen Zuschlag bezahlen.

Seit dem 9. Dezember 2012 fördert das BMVBS die Umrüstung von Güterwagen auf leise Bremstechnologien. Wagenhalter, die ihre Güterwagen mit innovativen Bremstechnologien ausstatten, haben einen Anspruch auf finanzielle Unterstützung in Höhe von 0,5 Cent pro Achskilometer (maximal 211 Euro pro Achse).

Die Laufzeit der beiden Förderprogramme ist auf die nächsten acht Jahre angelegt. Die maximale Fördersumme im Umrüstungszeitraum beträgt circa 300 Millionen Euro; davon werden maximal 152 Millionen Euro vom Bund bezuschusst.

Schallpegel im Alltag und Minderungspotenziale durch innovative Maßnahmen; Klick für vergrößerte Ansicht

DB Zug Simulator

Das Umweltspiel „DB Zug Simulator“ für Handy, Tablet und PC zeigt, wie die energieeffiziente Fahrweise beim Zugfahren funktioniert. Das Ziel für Sie als Lokführer im virtuellen Zug: pünktlich ankommen und möglichst viel Energie einsparen!  


Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.

Für die volle Funktionsfähigkeit und eine fehlerfreie Darstellung der Website verwenden Sie bitte Microsoft Internet Explorer Version 10 oder höher oder eine aktuelle Version von Mozilla Firefox, Google Chrome, Safari oder Opera.